Fehler 1: Sparen und Versichern im gleichen Produkt
Das ist der teuerste Fehler, und er wird fast immer im Beratungsgespräch am Küchentisch gemacht. Eine gemischte Lebensversicherung oder eine 3a-Police verbindet zwei Dinge, die getrennt gehören: Vermögensaufbau und Risikoabsicherung.
Warum das teuer ist: Die Kosten der Versicherung werden in den ersten Jahren vom eingezahlten Geld abgezogen. Wer nach fünf Jahren aussteigt, bekommt oft deutlich weniger zurück, als er eingezahlt hat. Und weil die Verträge über 20 bis 30 Jahre laufen, ist die Bindung enorm.
Was stattdessen: Risiken über eine reine Risikoversicherung abdecken (Tod, Erwerbsunfähigkeit — dort, wo tatsächlich eine Lücke besteht) und das Sparen über ein 3a-Wertschriftendepot oder ein Wertschriftenkonto laufen lassen. Getrennt, jederzeit anpassbar, transparent.
Nicht sofort kündigen. Zuerst die Unterlagen anfordern: Rückkaufswert, bisher einbezahlte Prämien, Kostenanteil, Versicherungsschutz. Erst mit diesen Zahlen lässt sich entscheiden, ob Auflösen, Prämienbefreiung oder Weiterführen die kleinste Verlustvariante ist.
Fehler 2: Geld auf dem Konto liegen lassen — jahrelang
Ein Notgroschen gehört aufs Konto, keine Frage. Aber wenn dort das Fünffache liegt, arbeitet ein grosser Teil deines Vermögens nicht. Bei Zinsen unterhalb der Teuerung verliert dieses Geld jedes Jahr etwas an Kaufkraft — langsam genug, dass man es nicht merkt.
Die Frage ist nicht «Aktien oder Konto», sondern: Welchen Teil brauche ich in den nächsten drei Jahren, und welchen nicht? Was du in drei Jahren nicht brauchst, darf investiert sein.
Fehler 3: Die Lohnerhöhung sofort mitkonsumieren
200 Franken mehr Lohn führen erstaunlich zuverlässig zu 200 Franken mehr Ausgaben. Nicht durch grosse Anschaffungen, sondern durch ein etwas teureres Abo hier, ein etwas grösseres Auto dort.
Der einfache Gegenzug: Bei jeder Lohnerhöhung die Hälfte in den Dauerauftrag aufs Sparkonto. Du merkst die andere Hälfte im Alltag genauso, aber deine Sparquote steigt automatisch mit deinem Einkommen.
Und dann der zweite Schritt: Sobald der Notgroschen steht, gehört dieses Geld nicht mehr aufs Sparkonto, sondern investiert. Auf dem Konto verliert es nach Inflation langsam an Wert — investiert arbeitet es für dich. Genau das ist der Zinseszins: Erträge werfen wieder Erträge ab, und der Effekt wird mit jedem Jahr grösser. Wer zehn Jahre nur spart statt anlegt, verpasst nicht einfach zehn Jahre Rendite, sondern genau die Jahre, die am Ende am stärksten gewirkt hätten.
Fehler 4: Die Pensionskasse ignorieren, weil sie weit weg ist
Der Vorsorgeausweis kommt einmal im Jahr und wird von den meisten nicht geöffnet. Drin steht aber, wie hoch dein Altersguthaben ist, was du bei Invalidität oder Tod erhältst, und ob du freiwillig einkaufen kannst.
Besonders relevant wird die Pensionskasse bei einem Stellenwechsel: Das Guthaben muss in die neue Kasse übertragen werden. Wer das nicht aktiv veranlasst, landet auf einem Freizügigkeitskonto — wo das Geld oft jahrelang praktisch unverzinst liegt. Dazu gibt es hier einen eigenen Artikel.
Fehler 5: Der heisse Tipp statt einer Strategie
Eine einzelne Aktie, eine Kryptowährung, ein Immobilienprojekt eines Kollegen: Das ist kein Vermögensaufbau, das ist eine Wette. Wetten dürfen sein — aber mit einem klar begrenzten Teil deines Geldes, den du auch komplett verlieren kannst.
Der Rest gehört in etwas Langweiliges und breit Gestreutes. Langweilig ist bei Geld ein Qualitätsmerkmal.
Fast jeder dieser Fehler entsteht nicht durch schlechte Entscheidungen, sondern durch gar keine — weil jemand anders sie für dich getroffen hat.
Die Kurzfassung
- Sparen und Versichern trennen — immer.
- Nur den Notgroschen auf dem Konto halten, den Rest langfristig anlegen.
- Die Hälfte jeder Lohnerhöhung direkt in den Dauerauftrag.
- Vorsorgeausweis lesen, bei jedem Stellenwechsel das Guthaben mitnehmen.
- Wetten klein halten, den Kern breit streuen.
Wenn du bei einem dieser Punkte unsicher bist: Ein Blick auf deine Unterlagen dauert 20 Minuten.
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